Die Musik Distlers (1908 - 1942)

ist wesentlich geprägt von der Orientierung an traditionellen Modellen. Wohl beschäftigte er sich auch mit der Musik seiner geschätzten Zeitgenossen Honegger, Weill und Hindemith, sein tieferes Interesse galt jedoch den Formen der barocken Orgel- und Chorkunst, die er aus dem Geist seiner Zeit zu erneuern suchte. Stilistisch ist sein chorisches Schaffen vor allem von rhythmisch-metrischer Flexibilität, dem linearen Satzdenken und einer unmittelbaren Kunst der feinsten Textausdeutung gekennzeichnet.

Sein Totentanz op. 12/2 entstand 1934. In diesem Werk sind historisierende Tendenzen ferner als in anderen geistlichen Chorwerken Distlers. Hier liegen vielmehr kühn und frei entworfene Werke eines raffinierten neuen Stils vor: prägnant geformt, vielgestaltig in ihrer plastischen Bilderwelt, eindringliche musikalische Predigten. Die Folge von kurzen Sprüchen, aphoristisch knapp und ganz charakterisierend die Konfrontation der verschiedenen Stände mit dem Tod nachzeichnend, wurde der Totentanz seit jeher als eine der individuellsten und wichtigsten Kompositionen Distlers bezeichnet.

Wegen der technischen sowie dynamisch-agogischen Anforderungen wird das anerkannt schwierige Werk nur selten aufgeführt.

Der Komponist wählte 1942 den Freitod als Folge nicht nur seiner labilen Persönlichkeit sondern auch unter dem zunehmenden Druck nationalsozialistischer Repressalien.