Heinrich Kaminski (1886 - 1946)

wurde in Tiengen bei Waldshut (Schwarzwald) geboren, arbeitete kurze Zeit in einer Bank in Offenbach und wandte sich dann zum Studium der Staatswissenschaft nach Heidelberg. Dort begegnete er Martha Warburg, die sein musikalisches Talent erkannte und auf jede nur mögliche Weise förderte. Als er sich endgültig für ein Musikstudium entschieden hatte, übersiedelte er im Jahre 1909 nach Berlin und besuchte dort das Sternsche Konservatorium. Im Jahre 1914 zog K. in den kleinen Ort Ried bei Benediktbeuern. Maria Marc, die Frau des Malers Franz Marc, war dort seine erste Klavierschülerin. Mit diesen beiden verband ihn bald eine enge Freundschaft, die auch über den Tod des Malers hinaus Bestand hatte. Auf Bitte der Witwe zog die Familie K. im Mai 1921 in deren Haus. Auch mit dem Maler Emil Nolde war Kaminski eng befreundet.
Während des 1. Weltkrieges wirkte Kaminski als Chorleiter und später auch als Kompositionslehrer. Zu seinen Schülern gehörten u. a. Erich Doflein, Carl Orff und später dann Reinhard Schwarz-Schilling. Durch Aufführungen seiner Werke allmählich bekannt geworden, erhielt K. eine Berufung als Professor und Leiter einer Meisterklasse für Komposition an die Preußische Akademie der Künste, wo neben anderen damals auch Arnold Schönberg unterrichtete.
Sein Vertrag wurde aber 1933 nicht mehr verlängert, da er gesinnungsmäßig nicht in die sich abzuzeichnende Veränderung der politischen Landschaft paßte. Daher kehrte er nach Ried/Benediktbeuren (Oberbayern) zurück, das er von da an nicht mehr auf längere Zeit verlassen hat. Auch eine Stelle als Chordirigent in Bielefeld mußte er aus politischen Gründen, 1934 wieder aufgeben. Im Jahre 1938 scheiterte abermals eine Berufung nach Berlin, diesmal aufgrund einer Überprüfung der Liste seiner Vorfahren, die ihm zudem ein von 1938-1941 geltendes Aufführungsverbot einbrachte. Lediglich in der Schweiz wurden während dieser Zeit Werke von ihm aufgeführt.
Im Jahr 1939 starb seine älteste Tochter Gabriele nach einer Blinddarmoperation. Die Komposition »In Memoriam Gabrielae« entstammt der Zeit der Trauer um diese Tochter. Kaminskis Sohn Donatus kam im Juni 1943 bei einem U-Boot Tauchmanöver ums Leben.
Im September 1945 schließlich mußte er den Tod einer weiteren Tochter, Benita, beklagen. Kurz nach Vollendung der Oper »Spiel vom König Aphelius« verstarb er.
Die Musiksprache Kaminskis ist bestimmt durch Polyphonie, Verwendung freier rhythmischer Formen und ausgeprägter Synkopik, weitgehend unberührt vom zeitgenössischen Schaffen. Besonders in den Chorwerken erreicht er damit eine tiefe Wirkung. Die religiöse Grundtendenz seiner Werke ist nicht konfessionell gebunden, sondern eher von der Theosophie beeinflußt. Er verwendete gern Texte der Heiligen Schriften verschiedener Religionen, um das alles verbindende Element der Mitmenschlichkeit deutlich hervortreten zu lassen und der Menschheit von ihrer Verbundenheit miteinander Zeugnis zu geben, die Brüderlichkeit als das höchste Menschheitsideal zu feiern.