Chorkonzert des Singkreises Oberland in Holzkirchen
In St. Josef zeigen - fast ausschließlich
- Laien,
wie spannend Vokalensembles musizieren können
Marco Frei, Süddeutsche Zeitung, 14. Oktober 2003
Holzkirchen - Ein rundes Jubiläum gab es zu feiern,
als der Sängerkreis Oberland am Sonntag zum Chorkonzert in
der Holzkirchner Pfarrkirche St. Josef einlud. Seit nunmehr zehn
Jahren finden diese Konzerte am zweiten Oktobersonntag statt. Standen
anfangs Weyarn, Miesbach und Gmund im Mittelpunkt, so ist seit fünf
Jahren Holzkirchen feste Station. Und wieder boten einige verschiedene,
aus Laien und professionellen Sängern bestehende Vokalensembles
der Region ein ausgesprochen reizvolles und abwechslungsreiches
Programm, das den Glauben an Gott auch in Momenten tiefster Trauer
zum Thema hatte.
Der Abend begann mit amerikanischen Spirituals und Traditionals,
die der Haushamer Chor "Mundwerk" unter der Leitung von
Achim Vogt zum Besten gab: sehr gut die Textverständlichkeit,
spannungsreich die dynamischen Kontraste. Im "Deep River"
schien die Ruhe förmlich zu strömen, während im "Lord
I know I've been changed" rhythmische Konturen lebendig umgesetzt
wurden.
Ungewöhnlich dagegen die Programmauswahl der "Chorgemeinschaft
Irschenberg" (Hans Billo): die Werke der skandinavischen Komponisten
Heino Kaski, Toivo Kuula, Knut Nystedt und Jaakko Mäntyjärvi
sind relativ unbekannt. Wartet das "Gloria" aus Nystedts
"Missa brevis" mit raffinierten synkopischen Rhythmen
auf, besticht das "Ave Maria" des 1963 geborenen Mäntyjärvi
mit Collagen aus Sprechen, Gesang und Bordun-Tönen - das Vorbild
Arvo Pärt scheint durch. Dem Ensemble gelangen mit beiden Interpretationen
Glanzleistungen, während der "Liederkranz Tegernsee"
(Alexander C. Maschat) mit Teilen aus Schuberts "Deutsche Messe"
in einer Fassung für Männerchor rundum überzeugte.
Das Arrangement für die wundervolle Bläsergruppe stammt
von Maschat selbst und orientiert sich größtenteils an
Schuberts Original.
Höhepunkte des Abends waren die Holzkirchner "Cantica
Nova" (Katrin Wende-Ehmer) mit Rudolf Mauersbergers "Wie
liegt die Stadt so wüst" (RMWV 4/1) und der Tegernseer
"Palestrina Motettenchor" (Sebastian Schober) mit drei
der "Quatre Motets op. 10" von Maurice Duruflé.
Mauersbergers Trauermotette ist unmittelbar nach dem verheerenden
Bombenangriff auf Dresden entstanden und im August 1945 in den Ruinen
der Kreuzkirche uraufgeführt worden. Später hat sie Mauersberger
seinem "Dresdner Requiem" vorangestellt.
Sowohl die Neufahrnerin Wende-Ehmer als auch der Tegernseer Schober
brillierten mit präzisem Dirigierstil, wodurch ihnen meisterhafte
Durchhörbarkeit der Stimmen und Strukturgebung gelang. Das
war vor allem bei Duruflé wichtig, bevorzugt doch der französische
Komponist verschachtelte Harmonik (so in der Motette "Ubi caritas").
Zudem erreichte Wende-Ehmer, die am Augsburger Leopold-Mozart-Konservatorium
studierte, durch ihr klanggestalterisches Dirigieren faszinierende
Raumfülle. Kaum zu glauben, dass die Ensembles teilweise aus
Laien bestehen. Und kaum zu glauben, dass für dieses spannende
Konzert kein Eintritt verlangt wurde.
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